Informationen für Konvertiten / Info for Converts

Informationen für Konvertiten

Information for Converts

Des informations pour les convertis

 

Aktualisiert am: 20.05.2018

Updated on: 2018-05-20

Mise à jour: 20.05.2018

 

Deutsch

Immer wieder bekomme ich Zuschriften von Besuchern meiner Homepage, die sich mit dem Thema Judentum näher befassen wollen oder die sogar ihre Konfession wechseln wollen (vom Christentum zum Judentum oder umgekehrt). Auch Personen, die aus der Kirche (sei es die katholische oder die evangelische) ausgetreten sind, schreiben mir und bitten mich um meinen Rat.

Ich möchte hier ausdrücklich festhalten, dass ich es nicht als meine Aufgabe ansehe, Menschen beim Übertritt zu einem anderen Glauben behilflich zu sein. Meine Berufung ist es, Zeugnis zu geben für meinen Glauben und darzulegen, wie ich meine persönliche Gottesbeziehung im Alltag pflege. Ich bin katholische Christin und habe dafür konkrete und klare Gründe, über welche ich auch in meinen Büchern geschrieben habe.

Da jedoch immer wieder ähnliche Fragen zum Thema Gott und Glaube an mich herangetragen werden, habe ich mich dazu entschlossen, eine Stellungnahme zu verfassen, welche ich hier in Form eines "offenen Briefes" veröffentlichen möchte. Ich hoffe, dass ich auf diese Weise einigen Menschen, die sich auf der Suche nach dem für sie "richtigen" Glaubensweg befinden, ein paar wichtige Informationen geben kann, die sie in ihre Überlegungen und ihre Entscheidungsfindung einfließen lassen sollten.


Liebe Besucherinnen und Besucher meiner Homepage,

liebe Interessentin, lieber Interessent,

liebe Leserinnen und Leser!

 
vielen Dank für Ihre Zuschrift. Wenn Sie meine Homepage genauer angesehen haben, wird Ihnen aufgefallen sein, dass ich katholisch bin. Ich setze mich aber aktiv für den christlich-jüdischen Dialog ein. 
Dass Sie aus der Kirche ausgetreten sind, ist für mich durchaus nachvollziehbar. Es kann die unterschiedlichsten Gründe geben, warum man sich in der Kirche nicht mehr heimisch fühlt. 
Man muss hier aber immer trennen zwischen der Kirche als Institution und der ganz persönlichen, intimen Beziehung zu Gott. 
 
Ich sehe meine Aufgabe darin, gerade in diesem letztgenannten Bereich meinen Beitrag zu leisten, indem ich mein persönliches Zeugnis gebe. Kirche ist immer eine Gemeinschaft von vielen Einzelpersonen, die gemeinsam auf ein Zentrum und ein Ziel hin ausgerichtet sind. Wir sind alle als Pilger unterwegs. 
 
Die Gründe dafür, warum Sie zu Jesus keinen Bezug haben bzw. finden konnten, kenne ich nicht. Vielleicht waren es persönliche Enttäuschungen, die mit anderen Kirchenmitgliedern zu tun haben, oder es waren Sinnkrisen und Glaubenszweifel, welche Sie letztlich zum Kirchenaustritt bewogen haben. Austritt ist immer ein Schritt mit einer längeren Vorgeschichte, die im konkreten Einzelfall näher beleuchtet und analysiert werden müsste.
 
Natürlich steht es Ihnen frei, zu einer anderen Religion zu konvertieren. Wobei ich hier darauf hinweisen möchte, dass Sie, wenn Sie sich - wie ich - intensiv mit dem Judentum auseinandersetzen, immer wieder Parallelen zum und Berührungspunkte mit dem Christentum entdecken werden
 
Eine Konvertierung ist eine Entscheidung, die man nicht von heute auf morgen trifft. Daher empfehle ich Ihnen, schrittweise in die Thematik des Judentums einzusteigen. Natürlich können Sie dazu Bücher lesen, derer es viele gibt. Aber auch ich habe längst nicht alle gelesen und es würde hier den Rahmen sprengen, wollte ich in dieser Hinsicht Empfehlungen aussprechen.
 
Des Weiteren möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es im Judentum verschiedene Strömungen gibt. Es besteht - im Unterschied zur Kirche - kein allgemein verbindliches Lehramt. Diese Strömungen haben zwar alle einen gemeinsamen Kern, können sich im Detail aber deutlich unterscheiden. Das zeigt sich nicht nur inhaltlich in der Auslegung der Thora, sondern auch in den einzelnen Traditionen und in der allgemeinen Lebensführung: von sehr streng orthodox bis zu liberal.
 
Daher ist es erforderlich, dass Sie sich bei einem Wechsel zum Judentum auch über diesen Aspekt Gedanken machen, damit Ihnen klar ist, in welcher Gemeinschaft Sie "landen" werden.
Neben den religiösen Richtungen spielen auch politische Ideologien eine Rolle. Das spüren Sie insbesondere dann stärker, wenn Sie direkt in Israel wohnen.
Eine Trennung von "Staat und Kirche" gibt es im Judentum letztlich nicht. Volk, Land (Erez Israel) und Glaube sind miteinander verwoben.
 
Als Jude sind Sie - mehr als zuvor als Christ - in eine Gemeinschaft eingebettet. Im Judentum ist der Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde sowie auch innerhalb der einzelnen Familien deutlich stärker ausgeprägt als bei den Christen. (In der riesigen Weltkirche kann man sich als Einzelner zeitweise doch recht verloren fühlen.)
 
Von jedem einzelnen Mitglied der Gemeinschaft wird erwartet, dass es sich entsprechend einfügt und sich aktiv einbringt. Dazu gehört auch, dass man sich manchmal unterordnet, die eigenen Interessen zurücknimmt und sich anpasst. - Diese Umstellung wird für Sie eine neue Erfahrung sein, ist aber gerade am Anfang gewiss gewöhnungsbedürftig.
 
Zum Glauben gehört auch die Sprache. Insbesondere das Hebräische (in einigen Fällen auch das Aramäische) gehört untrennbar zu Glaube und Volk. Hierbei ist noch das Althebräische zu nennen, das nicht identisch ist mit dem modernen Hebräisch. Zu erwähnen ist hier ebenfalls das Jiddische, welches aber nicht mehr - wie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts - überall eine große Rolle spielt. Es hat allerdings innerhalb der Judenheit immer noch den Nutzen und die Bedeutung einer überall verstandenen Sprache, wie es vergleichsweise heute das Englische ist.
 
Als Einstieg können Sie sich bei Youtube verschiedene Videos ansehen. Es gibt mittlerweile von zahlreichen Rabbinern unterschiedlicher Ausrichtung Vorträge (Shiurim), die die Zuschauer im Glauben unterweisen sollen. Bereits hier werden Sie diverse Unterschiede feststellen können. Ich persönlich empfehle Ihnen die Vortragsreihe von dem - von mir hoch geschätzten - Rabbiner Shlomo Raskin, Youtube-Kanal "Thora in Frankfurt". Dieser gehört der Glaubens-Richtung der Chassidim, und hier im Speziellen der Lubawitscher Richtung, an.
 
Grundsätzlich ist das Judentum gegenüber Konvertiten bzw. Proselyten immer aufgeschlossen gewesen. In der Geschichte des Judentums finden sich derer einige. Auch das jüdische Volk selbst ist in seinen Ursprüngen nicht eine homogene Gruppe von Menschen gewesen, sondern entwickelte sich erst allmählich zu dem, was es heute ist. Das sehen Sie bereits, wenn Sie sich mit dem Alten Testament (Tanach) näher befassen.
 
Der eigentliche Übertritt zum Judentum ist dann relativ einfach. Als Jude ist man stets auf Gott und Seinen heiligen Willen ausgerichtet. Das ganze Leben orientiert sich auf Gott hin. Nicht nur innerhalb des Gottesdienstes, sondern auch im privaten Bereich. Der Alltag, der sich vor allem zuhause in der Familie abspielt, ist ebenso in vielen Details auf Gott hin ausgerichtet.
Für jemanden, der keinen Bezug zu Gott hat, können die zahlreichen Ge- und Verbote belastend und ermüdend wirken. Für denjenigen aber, der in seinem Herzen ganz von Gott durchdrungen ist, sind sie eine Möglichkeit, spirituell zu "steigen".
 
Empfehlen möchte ich Ihnen das jüdische Gebetbuch (Siddur). Dieses gibt es in deutscher Übersetzung bzw. in zweisprachiger Ausgabe. Es wird im Gottesdienst, aber auch zuhause verwendet. 
Wenn Sie sich zunächst mit den Verbindungspunkten zwischen Christentum und Judentum befassen wollen, empfehle ich Ihnen meine Bücher zum christlich-jüdischen Dialog, welche Sie auf meiner Homepage im Menüpunkt "Meine Werke", in der Rubrik "Bücher zum christlich-jüdischen Dialog" finden.
 
Nachdem Sie Gewissheit darüber erlangt haben, dass Sie tatsächlich zum Judentum übertreten wollen, rate ich Ihnen dringend, sich eine gute geistliche Begleitung zu suchen, d. h., einen Rabbiner, der Sie schrittweise an den Glauben heranführt. Hierbei ist es wichtig, dass Sie sich menschlich verstanden und gut aufgehoben fühlen. Hören Sie sich dazu in den jüdischen Gemeinden um und lassen Sie sich jemanden empfehlen. 
 
Obwohl die Aufgabe der Rabbiner ursprünglich nicht eine "Seelsorge" war, wie man diese aus der Kirche kennt, haben sie dennoch in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr auch diese Aufgabe übernommen. Gerade bei den Chassidim gibt es eine enge - und oft auch herzliche - Verbundenheit der einzelnen Gemeindemitglieder mit "ihrem Rebbe". Das bedeutet, dass man bei wichtigen Entscheidungen in der alltäglichen Praxis auch den Rat des eigenen Rabbiners einholt.
 
Ich möchte Sie noch darauf hinweisen, dass Ihnen niemand die Entscheidung abnehmen kann. Die Hinwendung zu Gott und die persönliche Gestaltung des eigenen Weges zu Ihm sind immer eine individuelle Angelegenheit.
Da ich die Gründe, die zu Ihrem Kirchenaustritt geführt haben, nicht kenne, ist es mir leider auch nicht möglich, dazu Stellung zu beziehen und auf die einzelnen Aspekte näher einzugehen.
In jeder Glaubensgemeinschaft gibt es nicht nur Licht- sondern auch Schattenseiten. Überall liegt es am einzelnen Gläubigen, in welcher Weise er mitwirkt, einen positiven Beitrag zu leisten.
 
Wichtig ist die konkrete Auseinandersetzung mit den Glaubensinhalten der jeweiligen Religion. Daran kommt man nicht vorbei. Bedenken Sie hierbei, dass es notwendig ist, sich ein umfassendes religiöses Wissen anzueignen. Dieses Selbststudium umfasst den Zeitraum von mehreren Jahren. Daher rate ich Ihnen, sich für Ihre Entscheidung zu einem Konfessionswechsel ausreichend Zeit zu nehmen und sich keinesfalls in einen Entschluss hineindrängen zu lassen.
Aus diesem Grund empfehle ich Ihnen - soweit Sie dies nicht schon getan haben - die Inhalte zu den religiösen Themen auf meiner Homepage genau zu lesen. 
 
Ich wünsche Ihnen für Ihren Weg alles Gute.
 
Text: © Andrea Pirringer 2018
 
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