Der synodale Weg / The synodal way

Der synodale Weg

The synodal way

La voie synodale

 

Seite erstellt am: 26.12.2019

Page started on: 2019-12-26

Page créée le: 26.12.2019

 

 

Deutsch

Da wir als praktizierende Christen von der Kirche aufgerufen wurden, uns aktiv am sogenannten Synodalen Weg zu beteiligen, möchte ich hier die Gelegenheit nutzen, um meine Gedanken zum Thema zu äußern, aber auch meine Wünsche und Erwartungen, die ich an die katholische Kirche habe, darlegen. Dies tue ich in der Hoffnung, dass der eine oder andere Impuls aufgegriffen werden möge.

Was ist der Synodale Weg? Dieses von der deutschen katholischen Kirche ins Leben gerufene Gesprächsformat startete am 1. Dezember 2019 und soll zwei Jahre lang fortgeführt werden.

Grundsätzlich finde ich es problematisch, dass in diesem Gesprächsprozess, den es bisher in dieser Form noch nicht gegeben hat, zentrale und äußerst wichtige Inhalte des christlichen Lebens behandelt werden sollen, wobei bisher nicht klar ist, ob die Ergebnisse der Gespräche später allgemeine Gültigkeit und Verbindlichkeit für die deutschen Katholiken haben werden. Völlig offen ist auch, wie sich Papst Franziskus zu den nach zwei Jahren getroffenen Entscheidungen äußern wird.

Einerseits begrüße ich die Einladung an die Laien, sich aktiv in die Gespräche einzubringen. Andererseits gebe ich zu bedenken, dass es teilweise um hoch komplexe Inhalte und schwierige theologische Fragen geht, die von Laien nicht so einfach beantwortet werden können, da diesen oftmals die dafür erforderliche fachliche Bildung sowie die Fähigkeit, die Auswirkungen der Umsetzung ihrer persönlichen Ansichten auf die Gesamtkirche zu überblicken, fehlt.

Ursprünglich ging es beim Synodalen Weg im Kern um die Themen Machtmissbrauch sowie um die Sexuallehre der Kirche und die Frage, ob diese heute noch zeitgemäß sei. Dies wurde später inhaltlich um den Themenkreis Macht - Priester - Frauen - Beziehungen (wobei es hierbei fließende Übergänge sowie Überschneidungen gibt) erweitert. 

Hier geht es ebenso um die zentrale Frage, wie der Mensch, insbesondere der Christ, mit dem Thema Sexualität umgeht bzw. umgehen soll. 

Die Sexuelle Revolution, aber auch die Emanzipationsbewegung der Frauen, welche sich seit den 1960er Jahren ausgehend von der westlichen Welt über alle Kontinente verbreitet haben, brachten für die Gesellschaft auf der weltlichen Ebene zahlreiche Veränderungen; leider vieles nicht zum Guten. Heute kann man sagen, dass diese Strömungen zu einer Destabilisierung von Ehe und Familie sowie zu sexuellem Egoismus und erhöhter Verantwortungslosigkeit geführt haben. Nicht zuletzt hat sich bis heute die Zahl der Abtreibungen global erschreckend gesteigert. - All dies kann man wirklich nicht als erfreuliche Errungenschaften bezeichnen.

Diese säkularen Entwicklungen gingen auch an den Christen und somit der Kirche nicht spurlos vorüber. Seit nunmehr Jahrzehnten erschallt der Ruf nach Lockerungen und Aufweichungen. An dieser Stelle muss jedoch klar gesagt werden, dass die moralischen Regelungen, die sich innerhalb der jüdisch-christlichen Tradition im Laufe der Jahrhunderte herausgebildet haben, dazu dienen, nicht nur die sittliche Ordnung innerhalb der Familie aufrechtzuerhalten, sondern auch die gesamte Gesellschaft in dieser Hinsicht zu stabilisieren.

Die Anforderungen an den Einzelnen sind hierbei durchaus anspruchsvoll, sowohl für Priester und Ordensleute, als auch für die Laien (was oftmals vergessen oder ausgeblendet wird!). Eine Lockerung oder völlige Freigabe der moralischen Regelungen im Bereich der Sexualität würde im religiösen Bereich zu derselben Unordnung und Verwirrung führen, wie wir sie bereits auf der weltlichen Ebene beobachten können.

Der gläubige Mensch, der sein Leben auf Gott ausrichtet und sich Seinen heiligen Willen unterordnen will, wird dies jedoch nicht als erstrebenswerte Option erachten. Sowohl Juden als auch Christen sind zur Heiligkeit berufen, um ihrer Würde der Gotteskindschaft zu entsprechen. Dies betrifft einerseits die Heiligung des Alltags, andererseits auch die Selbstheiligung. Das spirituelle "Steigen" ist aber nur dann möglich, wenn der Mensch von klein auf lernt, die Triebe (nicht nur die sexuellen) zu kontrollieren und zu beherrschen. 

Nur auf diese Weise kann sich eine reife, verantwortungsvolle Persönlichkeit heranbilden, die den Unterschied zwischen Triebbefriedigung und Liebe sehr genau kennt und beides nicht miteinander vermengt oder gar die Befriedigung der eigenen Lust über die Liebe erhebt. 

Der Umgang mit der eigenen Sexualität ist für jeden Menschen eine tägliche Herausforderung. Der Glaube an Gott sowie der respektvolle Umgang mit anderen Personen sind dabei wichtig und notwendig. Insbesondere die Tugenden der Demut und der Keuschheit möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich erwähnen, deren Übung im Alltag ein wirksames Mittel gegen Machtmissbrauch gegenüber Kindern und unangemessene Begegnungen zwischen Männern und Frauen darstellt.

Diese - und weitere - Tugenden erlangt man jedoch nur im täglichen Bemühen. Dieses wiederum stärkt man durch Gebet und die Anbetung des Allerhöchsten. Daher lege ich den Teilnehmern, die den Synodalen Weg konkret mitgestalten, jene beiden Punkte besonders ans Herz. Wer weder betet noch anbetet, der verliert das Zentrum unseres Lebens und den Grund, wozu wir erschaffen wurden, aus dem Blick: um Gott durch einen tadellosen Lebenswandel und das Streben nach Heiligkeit zu dienen und Ihm die Ehre zu erweisen.


 

Foto / Pic / Photo: privat / private / en privé, © Walter Pirringer 2018

 


English

Since we as practicing Christians have been called by the Church to participate actively in the so-called Synodal Way, I'd like to take this opportunity to express my thoughts on the subject, but also to state my wishes and expectations that I have to the Catholic Church. I do this in the hope that one or another impulse may be taken up.

What is the Synodal Way? This dialogue format, launched by the German Catholic Church, started on December 1, 2019 and is to be continued for two years.

In principle I find it problematic that in this discussion process, which so far has not existed in this form, central and extremely important contents of Christian life are to be dealt with, whereby it is so far not clear whether the results of the discussions will later have general validity and binding force for German Catholics. It is also anybody's guess how Pope Francis will comment on the decisions made after two years. 

On the one hand, I welcome the invitation to the laity to participate actively in the discussions. On the other hand, I would like to point out that in some cases, highly complex contents and difficult theological questions are involved, which cannot be easily answered by lay people, since they often lack the necessary professional education and the ability to see the effects of the implementation of their personal views on the whole Church.

Originally, the Synodal Way was essentially about the issues of abuse of power as well as the sexual teaching of the Church and the question whether it was still up-to-date today. This was later expanded to include the subject area of power - priests - women - relationships (whereby there are fluid transitions and overlaps).

Here it is just as much about the central question how man, especially the Christian, deals with the topic sexuality, resp. how to handle it.

The Sexual Revolution, but also the women's emancipation movement, which has spread from the Western world to all continents since the 1960s, has brought about numerous changes for society on a secular level; unfortunately, many things have not been for the better. Today it can be said that these currents have led to a destabilisation of marriage and family, as well as to sexual selfishness and increased irresponsibility. Last but not least, the number of abortions has increased alarmingly worldwide. - All this really cannot be called a pleasing achievements.

These secular developments did not leave the Christians and thus the Church unaffected. For decades now, the call for relaxation and softening has been ringing out. At this point, however, it must be clearly stated that the moral regulations that have developed within the Judeo-Christian tradition over the centuries serve not only to maintain the moral order within the family, but also to stabilize the entire society in this respect.

The demands on the individual are quite taxing here, both for priests and religious and for the laity (which is often forgotten or ignored!). A loosening or complete liberalization of moral regulations in the field of sexuality would lead to the same disorder and confusion in the religious sphere as we can already observe on the secular level.

The believing man who directs his life to God and wants to subordinate himself to His holy will, however, will not consider this a desirable option. Both Jews and Christians are called to holiness in order to live up to their dignity as children of God. This concerns on the one hand the sanctification of everyday life, on the other hand also the self-sanctification. However, spiritual "ascension" is only possible if the person learns from an early age to control and master the instincts (not only the sexual ones).

Only in this way can a mature, responsible personality be formed who knows the difference between drive satisfaction and love very well and doesn't mix the two or even elevate the satisfaction of one's own lust above love.

Dealing with one's own sexuality is a daily challenge for every person. Faith in God and a respectful way of dealing with other people are important and necessary in this regard. In particular, I'd like to make special mention of the virtues of humility and chastity, the practice of which in everyday life is an effective means of combating the abuse of power over children and inappropriate encounters between men and women.

However, these - and other - virtues can only be attained through daily effort. This in turn is strengthened by prayer and worship of the Most High. Therefore, I particularly recommend these two items to the participants who will concretely contribute to the Synodal Way. Whoever neither prays nor worships loses sight of the centre of our lives and the reason for which we were created: to serve and give glory to God through an impeccable lifestyle and the pursuit of holiness.


Français

Puisque nous, en tant que chrétiens pratiquants, avons été appelés par l'Église à participer activement à ce que l'on appelle la Voie Synodale, je voudrais profiter de cette occasion pour exprimer mes réflexions sur le sujet, mais aussi pour dire les souhaits et les attentes que j'ai de l'Église catholique. Je fais cela dans l'espoir que l'une ou l'autre impulsion puisse être abordée.

Qu'est-ce que la Voie synodale? Ce format de dialogue, lancé par l'Église catholique allemande, a débuté le 1er décembre 2019 et se poursuivra pendant deux ans.

En principe, je trouve problématique que dans ce processus de discussion, qui jusqu'à présent n'a pas existé sous cette forme, des contenus centraux et extrêmement importants de la vie chrétienne soient traités, ce qui fait qu'il n'est pas clair jusqu'à présent si les résultats des discussions auront plus tard une validité générale et une force contraignante pour les catholiques allemands. On ne sait pas non plus comment le pape François commentera les décisions prises après deux ans.

D'une part, je me félicite de l'invitation faite aux laïcs de participer activement aux discussions. D'autre part, je voudrais souligner que dans certains cas, il s'agit de contenus très complexes et de questions théologiques difficiles, auxquelles les laïcs ne peuvent pas répondre facilement, car ils n'ont souvent pas la formation professionnelle nécessaire et ne sont pas en mesure de voir les effets de la mise en œuvre de leurs vues personnelles sur l'ensemble de l'Église.

À l'origine, la Voie synodale portait essentiellement sur les questions d'abus de pouvoir ainsi que sur l'enseignement sexuel de l'Église et sur la question de savoir s'il était encore d'actualité aujourd'hui. Ce domaine a ensuite été élargi pour inclure le domaine du pouvoir - les prêtres - les femmes - les relations (où il y a des transitions et des chevauchements fluides).

Il s'agit également de la question centrale de savoir comment les gens, en particulier les chrétiens, traitent le sujet de la sexualité, respectivement comment y faire face.

La Révolution sexuelle, mais aussi le mouvement d'émancipation des femmes, qui s'est étendu du monde occidental à tous les continents depuis les années 1960, ont apporté de nombreux changements pour la société sur un plan laïque; malheureusement, beaucoup de choses n'ont pas été pour le mieux. Aujourd'hui, on peut dire que ces courants ont conduit à une déstabilisation du mariage et de la famille, ainsi qu'à un égoïsme sexuel et à une irresponsabilité accrue. A ce propos, le nombre d'avortements a augmenté de façon alarmante dans le monde entier. - Tout cela ne peut vraiment pas être considéré comme une réussite agréable.

Ces développements séculiers ont également laissé leur empreinte sur les chrétiens et donc sur l'Église. Depuis des décennies, l'appel à la détente et à l'adoucissement retentit. Il faut cependant préciser que les règles morales qui se sont développées au cours des siècles dans la tradition judéo-chrétienne servent non seulement à maintenir l'ordre moral au sein de la famille, mais aussi à stabiliser l'ensemble de la société à cet égard.

Les exigences individuelles sont ici très élevées, tant pour les prêtres et les religieux que pour les laïcs (ce qui est souvent oublié ou ignoré !). Un relâchement ou une libéralisation complète des règles morales dans le domaine de la sexualité conduirait au même désordre et à la même confusion dans la sphère religieuse que nous pouvons déjà observer sur le plan laïque.

L'homme croyant qui dirige sa vie vers Dieu et veut se subordonner à sa sainte volonté, cependant, ne considérera pas cela comme une option souhaitable. Juifs et chrétiens sont appelés pour correspondre à la dignité de leur filiation divine. Cela concerne d'une part la sanctification de la vie quotidienne, d'autre part aussi l'auto-sanctification. Cependant, "l'ascension" spirituelle n'est possible que si la personne apprend dès son plus jeune âge à contrôler et à maîtriser ses instincts (pas seulement les instincts sexuels).

Ce n'est que de cette façon que l'on peut former une personnalité mature et responsable qui connaît très bien la différence entre la satisfaction des instincts et l'amour et qui ne mélange pas les deux ou même n'élève pas la satisfaction de sa propre convoitise au-dessus de l'amour.

Faire face à sa propre sexualité est un défi quotidien pour chaque homme. La foi en Dieu et l'interaction respectueuse avec les autres personnes sont importantes et nécessaires. Je voudrais en particulier mentionner les vertus de l'humilité et de la chasteté, dont la pratique dans la vie quotidienne est un moyen efficace de lutter contre les abus de pouvoir sur les enfants et les rencontres inappropriées entre hommes et femmes.

Cependant, ces vertus - et d'autres - ne peuvent être atteintes que par un effort quotidien. Ceci est à son tour renforcé par la prière et l'adoration du Très-Haut. Je recommande donc vivement ces deux points aux participants qui contribueront concrètement à la Voie synodale. Celui qui ne prie ni n'adore perd de vue le centre de notre vie et la raison pour laquelle nous avons été créés: servir et rendre gloire à Dieu par un style de vie impeccable et la poursuite de la sainteté.


 

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