Leserfrage zum Thema Wahrheit / Reader's Question

Leserfrage zum Thema Wahrheit

Reader's Question about Truth

 

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Leserfrage vom 07.04.2015:

"Mich interessiert das Thema der Mensch und die Wahrheit à la hl. Augustinus, der so oft umher irrte und dann doch den Weg zu Gott und der erläuterten Wahrheit fand! Nun stellt sich mir die Frage, ob es nur eine einzige Wahrheit gibt, oder liegt sie am Ende eben doch im Blickwinkel des Betrachters? Was denken Sie über dieses Thema?"

Antwort der Autorin:

Was sagt Jesus dazu? Er hat sich mehrfach dazu geäußert: "Wer Mich sieht, sieht den Vater.", "Niemand kommt zum Vater, außer durch Mich." und: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben."

Im Zentrum steht Gott, der Vater und Schöpfer, auf den Christus als menschgewordener Gottessohn verweist. Durch Christus hindurch dürfen wir auf den Vater schauen. Durch die Gottesebenbildlichkeit des Menschen stellt jedes menschliche Antlitz in gewisser Weise einen Widerschein Gottes dar. - Das ist auch eine der Begründungen für das Gebot der Nächsteliebe.

Die Wahrheit kann sich in vielen Schattierungen äußern, z. B. in der Vielfalt der Schöpfung. Urgrund der Wahrheit ist aber immer nur Einer: der Schöpfer selbst. Im Vaterunser beten wir: "Dein Wille geschehe." Es geht also um die konkrete Umsetzung und Durchsetzung des göttlichen Willens in unserem Leben und Alltag. Der Wille Gottes hat einen Absolutheitsanspruch, weil Gott selbst die Wahrheit ist. Vor Seiner Wahrheit muss der Mensch bestehen. In diesem Spiegel sieht er seine Sünden, Verfehlungen und Schwächen. Grund für die göttliche Gerechtigkeit ist ebenfalls die Wahrheit. Die Barmherzigkeit kommt dem Menschen weit entgegen, wie es der "Barmherzige Vater" (im Gleichnis) tut. Das Wirken der Gerechtigkeit setzt dort an, wo der Mensch sich der Wahrheit verweigert. 

 

Foto / Pic: privat / private, © Andrea Pirringer

 

Joh 3,16-21 (Einheitsübersetzung):

"Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.
Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.
Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind."
 
Stets ist es Gott selbst, der die Wahrheit ist und die Wahrheit offenbart. Er ist die Quelle der Wahrheit. Deshalb kann es nur eine Wahrheit geben. Allerdings gibt es verschiedene Betrachtungsweisen der Wahrheit, den "Blickwinkel des Betrachters". Dieser liegt also in der Person des Betrachters selbst und ist abhängig von seiner Persönlichkeit, seiner spirituellen und intellektuellen Entwicklung, den Einflüssen, denen er in seinem Leben ausgesetzt war und ist (z. B. Erziehung, Schulausbildung etc.), seinen geistigen Fähigkeiten, seiner kulturellen Prägung, seinem Alter usw.
 
Der Mensch ist sowohl in seiner Person als auch in seinem Denken begrenzt. Das volle Ausmaß der göttlichen Wahrheit ist ihm daher nur soweit zugänglich, als es ihm von Gott eröffnet wird und er es erfassen kann. Diese menschliche Einschränkung tut der Wahrheit als solcher keinen Abbruch, sondern zeigt lediglich den Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf auf. Gott lässt den Menschen partiell an Seiner Wahrheit teilhaben, so wie Er es für richtig und notwendig hält.
 
Die göttliche Wahrheit ist immer auch mit der göttlichen Weisheit verknüpft. Hierzu lesen wir, was Jesus sagt:
 
"In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen."
(Lk 10, 21, Einheitsübersetzung)
 
Die Wahrheit ist ein Produkt des göttlichen Geistes. Sie ist vollkommen, so wie der Schöpfer selbst vollkommen ist. Sie ist sowohl barmherzig als auch gerecht. Darin liegt kein Widerspruch. Gott urteilt so weise, dass das Endergebnis immer Seiner Wahrheit standhalten kann. Im Lichte der Wahrheit sind alle Taten Gottes zu betrachten. - Der Mensch kann hier nur demütig staunen.
 

 

 

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