Zweitidentität / Second Identity

Zweitidentität und Realitätsflucht
 
Second Identity and Escapism
 
Erstellt am: 05.10.2016
 
Published on: 2016-10-05
 
 
 
Deutsch
 
Für immer mehr Menschen werden die sozialen Netzwerke zu einem Ort, in welchem sie sich nicht nur präsentieren, sich mit anderen austauschen und vernetzen. Zunehmend wird die durch das Internet geschaffene Öffentlichkeit für Privatpersonen auch dazu genutzt, sich eine Zweit-Identität zuzulegen.
Konnte man dies bisher eher bei psychisch labilen Personen beobachten, weitet es sich nun immer mehr auf den „Normalbürger“ aus. - Einen Anstoß dazu gaben wohl auch jene Prominenten, die ihr Privatleben (oder Teile davon) Tag für Tag als „Daily Life Soap“ bei Facebook und Co präsentieren.
 
Die vielfältigen Angebote in den Netzwerken bieten dem einzelnen die Möglichkeit, Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erhalten. Um dies zu erreichen, wird viel getan. Man versucht, es den bekannten Persönlichkeiten gleich zu tun und rutscht dadurch immer mehr in eine Selbsttäuschung hinein.
Mit übersteigerter Eigenliebe und Selbstpräsentation gaukelt man sich eine heile Welt vor, man „beamt“ sich in ein Wunschleben, das man nicht hat und blendet Sorgen und Probleme aus.
Gesunde, charakterlich gefestigte Menschen haben kein Problem damit, von der virtuellen in die reale Welt zu wechseln. Sie stehen mitten im Leben, können sich da wie dort selbstsicher bewegen und kennen auch die Grenzen der Virtualität bzw. die No-Gos.
 
Leider verschwimmen diese Grenzen immer mehr. Was ist erlaubt, was ist real, was Fiktion? Ist es ein Spaß, Fotos anderer Menschen für sich selbst zu verwenden? Ist es ein Kavaliersdelikt, Dinge vorzutäuschen, die nicht den Tatsachen entsprechen, oder ist es schon Betrug?
Muss das, was man im Internet von sich präsentiert, immer der Wahrheit entsprechen oder darf man andere bewusst täuschen, solange man ihnen damit nicht schadet?
Eigenliebe und Lüge sind wie ein Tanzpaar, das sich an der Musik und an der Zuwendung durch das Publikum berauscht. Das ist wie ein starker Sog, der eine erschreckende Verführungskraft bewirkt.
 
Es ist die Aufmerksamkeits-Droge, die in immer höheren Dosen konsumiert werden will. Aber auch diese nicht-stoffliche Droge birgt reale Gefahren in sich: einerseits die Sucht-Wirkung und andererseits den damit verbundenen Realitätsverlust.
Menschen, die sich damit aufputschen, neigen dazu, sich immer mehr aus der Realität zurück zu ziehen. Manche verbringen unzählige Stunden vor dem Computer, gehen kaum noch vor die Tür, lesen ihre Post nicht mehr oder vernachlässigen ihre familiären und beruflichen Pflichten.
 
Manche neigen zur grandiosen Selbstüberschätzung; glauben, sie könnten alles erreichen, und verlieren die Bodenhaftung sowie den Bezug zu den nüchternen Tatsachen.
Andere wiederum rutschen in eine emotionale Abhängigkeit zu ihrem stetig wachsenden virtuellen Freundeskreis. Sie brauchen ständig positives Feedback, Zuwendung und Anerkennung, die sie im realen Leben nicht bekommen. Oft sind sie vereinsamt oder kontaktscheu. Leider zeigt die Erfahrung, dass sich virtuelle Kontakte nicht immer in reale Freundschaften übertragen lassen.
 
Als Christen haben wir die Pflicht, das richtige Leben mit seinen Höhen und Tiefen, Sorgen und Freuden sowie der Verantwortung gegenüber Gott und den Mitmenschen nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn wir uns in den sozialen Netzwerken bewegen, sollten wir darauf achten, die dafür verwendete Zeit zu begrenzen. - Das Internet ist leider ein enormer Zeitfresser. Gerade wir sollten die Zeit besser und sinnvoller nutzen!
 
Gehen wir daher stattdessen hinaus in die Natur, pflegen wir Kontakte und nehmen wir uns mehr Zeit für das Gebet! Gott lebt nicht in einer virtuellen Welt, genauso, wie auch wir nicht aus der Realität flüchten können, selbst wenn wir es versuchen.
Bewahren wir uns einen klaren Blick für die Gefahren, halten wir den Versuchungen stand und werden wir so zum Vorbild für andere!
 
Text: © Andrea Pirringer

 

Foto / Pic: privat / private, © Andrea Pirringer


 

 

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